Nicht jeder Schweizer Wettbewerb endet mit einem Gewinner. Manche werden still abgebrochen, andere nie ausgelost, einige sind von Anfang an reine Daten-Sammelaktionen ohne echte Verlosung. Wie häufig passiert das? Und wie erkennt man Fake-Wettbewerbe, bevor man Zeit investiert?
Was sagt das Schweizer Recht?
Die Rechtslage ist klar: Wer in der Schweiz einen Wettbewerb öffentlich ausschreibt, muss die ausgelobten Preise auch tatsächlich verteilen. Geregelt im Bundesgesetz über Geldspiele (BGS) und im Obligationenrecht (OR Art. 8 zur Auslobung). Ein Wettbewerb-Anbieter geht eine einseitige Verpflichtung ein — er muss die Auslosung durchführen und gewinnen lassen.
Verstösse sind theoretisch anzeigbar — über den SECO Konsumentenschutz oder bei klar betrügerischen Aktionen direkt bei der Staatsanwaltschaft. Praktisch passiert das selten, weil die Beweisführung schwierig ist.
Wie oft kommen Fake-Wettbewerbe vor?
Aus unserer eigenen Datenbasis: Etwa 5 bis 8 Prozent der von uns eingelesenen Wettbewerbe entsprechen nicht den Mindeststandards. Das sind die häufigsten Probleme:
- Veranstalter nicht identifizierbar — kein Impressum, keine Firma im HReg
- Kein Enddatum — der Wettbewerb läuft "bis auf Weiteres"
- Preis unrealistisch — iPhone 17 für eine Newsletter-Anmeldung mit 12 Pflichtfeldern
- Weiterleitung auf Drittseiten — nicht zur Brand selbst, sondern zu Tracking-Domänen
- Auslosung nie öffentlich — keine News, keine Gewinner-Posts
Wir entfernen solche Einträge mit unserer Crowd-Moderation: Sobald 3 unabhängige Nutzer einen Wettbewerb als "broken" oder "spam" melden, wird er als degraded markiert. Bei 8 Meldungen oder Owner-Veto verschwindet er ganz.
Die 8 Warnsignale für Fake-Wettbewerbe
1. Kein Impressum oder versteckter Veranstalter
Jeder seriöse Schweizer Anbieter hat ein Impressum mit Firma + UID + Postanschrift. Fehlt das, ist die Auslobung rechtlich nicht durchsetzbar — und meistens auch nicht real.
2. Hauptpreis steht nicht im Verhältnis zur Brand
Eine kleine Bäckerei verlost selten ein iPhone 17 Pro Max. Wenn ja, sollte es eine klare Geschichte dahinter geben (Sponsor-Partnerschaft, Jubiläum). Sonst: rote Flagge.
3. Pflichtangabe von Telefonnummer + Mobile + Adresse
Seriöse Wettbewerbe brauchen meist nur Mail. Wenn schon beim Einstieg jede Datenkategorie Pflicht ist, geht es offensichtlich um Lead-Generation, nicht um Auslosung.
4. Kein klares Enddatum
Wer keine Frist angibt, plant keine Auslosung. Echte Wettbewerbe haben Tag und Uhrzeit des Teilnahmeschlusses.
5. URL führt zu "win.brand.ch" mit Cookie-Tracking-Wand
Manche Brands betreiben separate Wettbewerbs-Subdomains. Das ist OK — aber wenn vor der Teilnahme 20 Tracking-Partner zustimmen wollen, ist das Datenaufnahme als Hauptzweck.
6. Keine sichtbare Liste vergangener Gewinner
Seriöse Brands veröffentlichen Gewinner. Migros, Coop, SRF, viele Tageszeitungen tun das. Wer nie Gewinner postet, hat möglicherweise nie ausgelost.
7. Wettbewerb ist seit Monaten unverändert online
Eine Brand die seit 6 Monaten "Mach mit und gewinne!" mit dem gleichen Preis schreibt, sammelt vermutlich Daten ohne echte Auslosung-Pflichtdurchführung.
8. AGB sind unklar oder fehlen ganz
Teilnahmebedingungen müssen klar sein: wer, wann, was, wie viele Gewinner. Fehlt das, kann der Veranstalter nachträglich alles ändern.
Was kannst du tun wenn du eine Auslosung nicht mitbekommen hast?
- Veranstalter anschreiben. Per Mail oder Kontaktformular. Frage nach der Auslosung und nach Gewinnern.
- Frist setzen. 14 Tage als angemessene Antwortfrist. Schriftlich.
- SECO Konsumentenschutz informieren. Bei keiner Antwort. Das hat Wirkung auf Mehrfachbetrüger.
- Im Wettbewerbs-Forum / auf Reddit posten. Andere haben die gleiche Erfahrung gemacht — Brand-Druck via Öffentlichkeit.
Die ehrliche Wahrheit
Die allermeisten Schweizer Wettbewerbe sind seriös. Etablierte Brands (Migros, Coop, Manor, Tageszeitungen, lokale Radios, Tourismus-Regionen) lassen tatsächlich aus und verschicken die Preise. Probleme entstehen vor allem in zwei Kategorien:
- Spam-Aggregator-Seiten die Wettbewerbe scrapen und veröffentlichen, ohne den Original-Veranstalter zu kennen.
- Lead-Gen-Wettbewerbe bei denen die Daten-Sammlung der Hauptzweck und die Auslosung nachrangig ist.
Wir blockieren auf winit.ch eine Reihe solcher Quellen aktiv (glueckspilz, wettbewerbe365 und andere). Mehr Hintergrund in unserem Beitrag Wettbewerbe ohne Newsletter-Pflicht.
Was bedeutet das für dich als Spieler?
Investiere deine Zeit in Wettbewerbe wo der Veranstalter klar identifizierbar, die Preise realistisch und das Enddatum konkret ist. Das sind nach unseren Daten ~92-95 % aller Wettbewerbe — der Rest ist es nicht wert.
Unsere Listings auf winit.ch sind crowd-moderiert. Wenn du einen Fake siehst — Daumen runter, wir prüfen.